Künstlerische Positionen in der Corona-Krise - #Krisenkunst

Knut Mueller (Halle)


Entstanden ist das Bild zu Beginn der Corona-Krise im März diesen Jahres, nachdem mir ein Bekannter diese ulkige Pestmaske zugemailt hatte. Mir schwebte vor, etwas Bedrohliches, etwas Endzeitliches zu machen. So durchwühlte ich mein Archiv und fand das Foto eines Soldaten, den ich vor Jahren im Norden Afghanistans auf einer Patrouille durch – wie es hieß – »talibanverseuchtes« Gebiet begleitet und abgelichtet hatte. Verseucht – genau das wars. Dazu diese unfassbar menschenfeindliche Landschaft. Phantastisch. Ich montierte die Maske auf den Kopf des Soldaten, veränderte die Farbigkeit und nannte das Bild »Der letzte seiner Art«. 

 

Später, als die Ereignisse ihren Lauf nahmen, änderte ich den Titel in »Maskenmann«, denn Maskenpflicht galt nun für alle. Und was hat der verlorene Kämpfer mit seiner mittelalterlichen Pesthaube damit zu tun? Vielleicht so viel, dass jeder Einzelne die Sinnhaftigkeit verordneter Maßnahmen skeptisch hinterfragen und in Zweifel ziehen kann, auch wenn das aussichtslos scheint.     


Kunst muss Fragen aufwerfen dürfen. Antworten zu geben, sollte sie besser bleiben lassen.

Knut Mueller (Mai 2020)


SUSAN DONATH (Dresden)



Und plötzlich steht wieder Mutter auf meinem Kittel.

Die Coronakrise wirft mich zurück auf Rollenmodelle, die ich 2005/2006 mit der Arbeit Snow White with Brown Sugar and Black Mamba beerdigen wollte. Die drei Puppenfrauen verkörperten die klassischen Frauenrollen: Braut, Hure und Mutter. Damals meinte ich, diese Rollen sollen zur Hölle fahren, es reicht. Heute bin ich als Künstlerin und alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern in die Rolle als Mutter und „Alleinzuständige“ für die Kinder gepresst. Ohne mich selbst dafür zu entscheiden, bin ich gezwungen ein veraltetes Frauenbild zu erfüllen. Meine berufliche Tätigkeit ist als nicht systemrelevant eingestuft und ich muss die Ganztagsbetreuung meiner Kinder inklusive Verpflegung und Homeschooling übernehmen. Will ich meine Selbstständigkeit erhalten, muss ich parallel oder nachts arbeiten. In vielen Fördermodellen komme ich als Soloselbstständige im Kulturbereich mit Kindern nicht vor. Die Krise macht ein emanzipiertes, erschaffendes Leben für mich unmöglich.

Einzig die Kunst hat das Potenzial Ungleichgewichte und Unrecht just in time zu thematisieren und sichtbar machen. Damit trägt sie wesentlich zur gesellschaftlichen Reflexion bei. Kunst ist ein wichtiges Medium auf dem Weg zur Mündigkeit und Freiheit. Ich bin Künstlerin. (Susan Donath, Mai 2020)



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