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Buchschau: Sterben ist echt das Letzte


Ist die Angst vor dem Tod ein Teil des Menschen? Kann sein. Sicher aber ist, die Angst vor dem Tod ist Eva Müller. Und die ist noch nicht mal 40 Jahre alt. Auf dem Cover ihres Buches „Sterben ist echt das Letzte“ tanzt sie innig verbunden mit dem Skelett im Anzug, mit dem personifizierten Tod. Es scheint, als wäre dies eine ausgewogene Beziehung. Erst auf den zweiten Blick sieht man, dass das Paar nicht von Schmetterlingen, sondern von Motten umschwirrt ist. Das scheinbar bunte Bild offenbart seine Düsternis.

 

Eva Müller erzählt in ihrer Graphic Novel die Geschichte eines Mädchens, das ohne den Tod nicht sein kann. Es gibt keinen außergewöhnlichen Grund für ihr ständiges Denken an das Lebensende, aber vielleicht braucht es den auch nicht für einen Menschen, der so sensibel scheint, dass das Leben zum unmöglichen Projekt wird. „Sterben ist echt das Letzte“ erzählt, auch aus der Perspektive des Bruders, die Geschichte einer zerrütteten Kindheit, mit schreienden Eltern und gemobbten Kindern. Diese entwickeln sich unterschiedlich: Während der Bruder Familienvater wird, bleibt die Schwester das ewige Kind, das nicht leben will, weil es Angst vor dem Sterben hat. Zwischen den Bildern schwebt der Gedanke, dass der Tod nicht Angst, sondern Hoffnung der jungen Frau ist. Die Zeichnungen sind dunkel, bleistiftartig, man mag sie nicht berühren, um nichts zu verschmieren.

Es wirkt, als wäre jede Seite handgemalt. Manchmal ist die Geschichte so heftig traurig, dass man den Radierer nehmen und die dunklen Stellen hell radieren möchte. Die Bilder sind der dunkelste Kontrast zu den glattgebügelten Animationsoptiken, an die wir denken, wenn wir von gemalten Geschichten hören.

 

Das fröhlichste Bild zeigt die Geschwister lachend in der Badewanne, da wirkt alles kurz mal richtig. Doch der Art attestierte dem Mädchen: „Das Kind denkt zu viel.“ Das Kind attestiert: „Wer nicht ordentlich leidet, hat keinen guten Tod.“ Ein bisschen erinnert sie an die junge Wada aus dem Film My Girl, die ständig beim Arzt war und Angst vor Krankheit hatte. Und ein bisschen erinnert die Art zu zeichnen und den Tod zu sehen auch an Frida Kahlo, mit dem Tod im Bett lag, seit sie diesen schrecklichen Unfall hatte.

 

Frida Kahlo stellte leidend gegen den Tod, Eva Müller scheint leidend gegen das Leben zu kämpfen.

Taschenbuch: 160 Seiten // Verlag: Schwarzer Turm // 12,- Euro

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