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Montagsinterview: Juliane Uhl

Juliane Uhl ist Chefredakteurin der DRUNTER&DRÜBER und seit 9 Jahren mit dem Tod beschäftigt.


Was haben Sie mit dem Tod zu tun?

 

Nun, ich arbeite seit 7 Jahren in einem Krematorium und bin nebenbei seit 6 Jahren Redakteurin bei der DRUNTER&DRÜBER. Ich arbeite täglich mit dem Tod, ob ich Führungen veranstalte, oder Events plane, recherchiere oder Artikel schreibe. Der Tod ist mein Lebensthema.

 

Wie sind Sie zu diesem Thema gekommen?

 

Als ich das erste Mal schwanger war, wurde mir klar, dass der eingeschlagene Karriereweg einfach nicht das ist, was ich meinem Kind vorleben wollte. Ich wollte freier leben, unabhängig von den Meinungen anderer, weniger erpicht auf Rand und Status. Also habe ich in der Elternzeit meines Mannes ein Praktikum bei einer Werbeagentur absolviert. Danach wagte ich den Schritt in die Selbständigkeit mit Social Media Marketing und der Konzeption von Webseiten. Für mein Angebot brauchte ich noch eine gute Zielgruppe und dann habe ich zum ersten Mal die Internetseiten von Bestattern gesehen (das war Zufall). Da war klar: Die brauchen Hilfe. Später gründete ich ein Unternehmen für Erinnerungskultur. Aus dem stieg ich aber nach zwei Jahren wieder aus. Ich wollte keine Produkte verkaufen. Bis heute glaube ich nicht, dass ein erweiteretes Produktangebot am Lebensende unser Missverhältnis zum Tod verbessert.

 

Foto: Marcus-Andreas Mohr
Foto: Marcus-Andreas Mohr

Was macht der Tod mit ihrem Leben?

 

Wenn er kommt, beendet er es. Solange er noch nicht bei mir ist, sondern nur Objekt (oder Subjekt) meiner Beobachtungen, bereichert er es.

Wer so nah am Tod ist wie wir, der schätzt das Leben mehr, denke ich. Ich bin mir der Kürze des Lebens bewusst. Das gibt mir unheimlich viel Mut, aber manchmal deprimiert es mich auch. Gerade, wenn junge Menschen sterben wird klar: es könnte jeden Tag vorbei sein. Das stresst mich manchmal, denn ich liebe das Leben und ich habe das Gefühl, dass da noch einiges auf mich wartet.

 

Was denken Sie über unser Verhältnis zum Tod?

 

Wir haben kaum eins. Nein, das stimmt nicht. Wir haben als Gesellschaft verlernt, den Tod als Teil des Lebens zu begreifen. Wir wollen uns vor ihm schützen, durch Therapien, gesunde Ernährung, Sport. Mir kommt das manchmal vor, wie ein Leben im Schongang, ohne große Wagnisse, ohne Mut, ohne Heldentum.

In den letzten Jahren hat sich der Tod als Thema ein wenig zu einem Trend entwickelt. Alternative Bestattungen, Trauerbegleitungen, viele Bücher - all das gibt es inzwischen. Aber alles ist eben begleitet. Ich denke, dass der Tod uns lehren kann, Mensch zu sein, eigenständig, stark und frei. Denn: Am Ende ist es aus und die Spur, die wir hinterlassen, ist groß oder klein. Ich möchte, dass meine groß ist. Der Tod hat aus mir jemanden gemacht, der ein Held sein will. Ich glaube, das haben irgendwelche Philosophen auch schon gesagt, dass wir dem Tod zu entrinnen versuchen, in dem wir uns unsterblich machen. Das ist mein Weg ;-)

Haben Sie einen Rat für die Menschen, wie sie dem Tod begegnen könnten?

 

Vorbereitet.


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